Nachruf

Ein Stern am Allgäuer Künstlerhimmel ist untergegangen. Tanja Diebold wurde durch einen tragischen Unfall, aus unserer Mitte gerissen.

Ein wichtiger Grundsatz der Kultur-Werkstatt lautet: Allgäuer Künstler sollen in der Werkstatt eine Heimat bekommen. Vor etwa 13 Jahren, Tanja hatte einen Weinhandel in Sonthofen und hatte sich als Sängerin auf der Unterhaltungsschiene in Hotels und bei zahlreichen Feiern und Festen schon einen guten Namen ersungen, trat Sie dann zum Ersten Mal in der Werkstatt auf. Oft hatte ich Sie schon darauf angesprochen, doch es dauerte einige Zeit, bis Sie sich sicher genug fühlte, ihrem eigenen künstlerischen Anspruch den sie für die Werkstatt als notwendig fand, gerecht zu werden. Sie nahm ihre „Kunst“ und das Publikum sehr ernst, was sicher zu Ihrem großen Erfolg beitrug.

Schon ihr erster Auftritt war ein riesen Erfolg, dem viele Konzert in unterschiedlichster Besetzung folgen sollten. Die Presse lobte Sie als „Allgäus schwarze Stimme“. Sie wurde hier zum Inbegriff für Blues, Soul und Gospel.

Tanja sang mit der Kerber-Big Band und hatte einige „Allgäuer Musiker“ u.a. Paul Gee und Steve Cobey um sich geschart. In der Anfangszeit des Walser Gospelchores erlebten wir Sie bei einigen Konzerten als Gospelsängerin und in der Kultur-Werkstatt gab es ein zauberhaftes, komödiantisches „Duo Konzert“ mit Michael Hanel. Unvergesslich ein Konzert im kleinen „Kultur-Garten“ der Werkstatt für das sich Nachbarn von uns, für den Kunstgenuss bedankten. Seit etwa 10 Jahren hatte Tanja ihre „friends“ gefunden, mit Udo Gössele, Frank Thumbach, und Robert Kucharski trat Sie regelmäßig in der Werkstatt auf. Die Weihnachtskonzert, bereits Tradition, waren schon Monate früher ausverkauft.Daneben machte Sie immer wieder „musikalische Ausflüge“ in die Chanson- und Liedermacherszene und überraschte damit Ihr Publikum. Dieses Jahr gab es eine neue Prämiere am Weltfrauentag. Mit der Kemptner Diva, Connie Gourguis kreierte Sie „Divenalarm“, ein vielversprechendes Duo.

Meine letzte Begegnung mit Tanja, mit der uns inzwischen eine persönliche Freundschaft verband, war anlässlich der Beerdigung meines Vaters. - Noch bevor ich Tanja kennenlernte, erzählte mein Vater, der jahrelang unsere Plakate austeilte, begeistert von ihrer Liebenswürdigkeit. - Tanja’s Halleluja in Begleitung von Udo wird uns immer unvergesslich bleiben.

Tanja, Künstlerin durch und durch, bezauberte mit ihrer Stimme, mit ihrem Humor, und vor allem mit ihrem angeborenen Charme, der Männer und Frauen gleichermaßen verzauberte.

Unfassbar, dass Tanja, Mitglied unseres kleinen „Werkstatt-Ensembles“ und Freundin des Hauses, nicht mehr da sein soll. Zutiefst betroffen und unendlich traurig nehmen wir von ihr Abschied. Und wieder kommen mir die Worte von Hermann Hesse in den Sinn: „Die Dahingegangenen bleiben mit dem Wesentlichen, womit sie auf uns gewirkt haben, mit uns lebendig, solange wir leben.