Martin Hehl

Vor fast zwei Wochen haben wir Martin Hehl auf seinem letzten Weg begleitet. Nun müssen wir mit dem Unbegreiflichen fertig werden. Er hinterlässt in der Werkstatt eine schmerzliche Lücke, die wir so nicht mehr schließen können und er wird immer ein Teil dieses Hauses bleiben.In den letzten 13 Jahren hat sich eine ehrliche Freundschaft entwickelt, begründet in der kulturellen „Seelenverwandtschaft“. Martin war ein intelligenter, sensibler, sprachgewandter, weltoffener und zutiefst Heimat verbundener Mensch.

Er war Dichter, Schriftsteller, Musiker und Schauspieler – ein Allgäuer Multitalent, dem vor allem die Mundart und die Allgäuer Tradition am Herzen lagen. Seine Texte ob in Mundart oder in Hochdeutsch waren immer Spiegel seiner Seele. Ob mit seinem stillen Humor oder seinen tiefgründigen Gedanken, er erreichte immer seine Mitmenschen. Ihm gelang es dem Allgäu ein WIR-Gefühl zu vermitteln. Mit Martin zogen die Volksmusik und die Mundart bei uns ein und sorgte so, immer für ein volles Haus. Zu seinen Lesungen lud er Dichterkollegen aus dem gesamten Allgäu ein und die Allgäuer Volksmusikanten in großer Zahl umrahmten diese zahlreichen unvergesslichen Abende. Martin rief und alle kamen sie gerne. Eine Dichterkollegin, die für eine Andere kurzfristig eingesprungen war sagte zu mir: „Mei em Martin kasch doch nit nui sage!“Und damit ist eigentlich alles gesagt.Vor einigen Jahren hatten wir das Vergnügen, dass er mit seiner Kollegin Conny, als Beitrag für unser Kabarett-Festival, „a Allgäu-Kabarettle“ – Originalton Martin – einstudierte. Seine Kollegen vom Landratsamt, die einige Kostproben vorab erhielten, wurden so auf die Werkstatt aufmerksam und zu regelmäßigen Besuchern.Neben dieser „Kultur-Schiene“ machte sich Martin um unsere „Wortschmiede“ verdient.Nachdem Renate Potijan, die Mitbegründerin, ihr Amt als Vorsitzende abgeben musste konnte ich Martin gewinnen, das „Schreibforum“ der Kultur-Werkstatt zu übernehmen. Poesie und Prosa war über viele Jahre in seinen Händen gut aufgehoben. Und wir sind und waren auf unseren „Club der lebenden Dichter“, wie Martin die Wortschmiede nannte sehr stolz. Auch hier hinterlässt er eine große Lücke.

Eines Tages kam Martin ganz bescheiden mit einer Mappe zu mir und bat mich die Texte zu lesen. Es waren eine Reihe von Fabeln – tierisch gute Geschichten – tiefgründig, fast philosophisch, überraschend, melancholisch und heiter. Ich war restlos begeistert und wir schmiedeten Pläne, wie wir diese Geschichten publik machen könnten. Die Fotografin Sabrina Bestle gab diesen tierischen Geschichten ein menschliches Gesicht und Lutz Kral komponierte passende Musik dazu. Noch heute ist vielen Besuchern der Kultur-Werkstatt die „Fleischfliege Agnes“ in bleibender Erinnerung. Ein künstlerisches Gesamtwerk, das Literatur, Fotografie und Musik vereinte.

Martin mach’s guat und „Vergelt’s Gott“ für die vielen schönen Stunden mit Dir.