Endlich gibt es aus der GEMA-Zentrale Positives zu berichten!

Zu meiner großen Freude erhielt ich von Künstlern eine Mitteilung vom Rockbüro Süd, dass die GEMA begonnen hat, ihren Versprechungen Taten folgen zu lassen. Allerdings ist sie sich in soweit treu geblieben, dass sie gerne „im Verborgenen“ agiert.

Seit dem 01.01.2011 hätte nun für ALLE Konzertveranstaltungen im U-Musikbereich der Tarif U-K – der bis dato nur für Großveranstalter angewandt wurde – Gültigkeit. Somit ist nun, wie in der Petition gefordert, in erster Linie das erzielte Eintrittsgeld die Bemessungsgrundlage für die GEMA-Gebühren. Umbauter Raum und Höhe des Eintrittgeldes sind somit nicht mehr relevant und die Härtefallregelung wird zum Regelsatz.
Der Prozentsatz bei Konzerten bis 2000 Besuchern wird von 3,5% für 2011, mit einer jährlichen Anhebung um 0,5% bis 2014, auf 5% festgelegt. Werbe- und Sponsoreneinnahmen werden mit einem Aufschlag von 0,35% veranschlagt. Für alle Veranstaltungen, auch bei freiem Eintritt, gilt nach wie vor eine Mindestgebühr. Bei Veranstaltungen bis 150 Personen zurzeit 21.80 € zuzüglich 7% MWSt.

www.gema.de/nc/musiknutzer/tarifsuche...

Für Konzertveranstalter, die Konzerte in 2011 bereits nach dem bisherigen Tarif abgerechnet haben besteht die Möglichkeit, diesen neuen Tarif rückwirkend ab 01.01.2011 zu beantragen.

Warum, so frage ich mich, werden die Veranstalter, die allesamt KUNDEN der GEMA sind, nicht sinnvoller- und ehrlicherweise durch ein Rundschreiben darauf aufmerksam gemacht???

An dieser Praxis in Sachen Transparenz und guten Geschäftspraktiken muss die GEMA noch arbeiten!
In diesem Zusammenhang sei allerdings auch erwähnt, dass von vielen Seiten mit großer Freude festgestellt wurde, dass der „Umgangston“ der GEMA-Mitarbeiter freundlicher geworden ist und dass Auskünfte bereitwilliger und zuvorkommender erteilt werden.

Obige Tarifänderung soll für alle Kleinkunstbühnen und Kultur-Vereine gelten. Gaststätten, Discos etc., deren Haupteinnahmequelle die Gastronomie ist, sind von dieser Tarifänderung ausgenommen.

Des Weiteren wird den Veranstaltern nahe gelegt sich einem Verband anzuschließen, der einen Gesamtvertrag mit der GEMA ausgehandelt hat. Momentan existieren 466 Sonderverträge!!! Wen wundert es da, dass die Politik und Kommunen nicht nur wenig Interesse an der Problematik haben. Es liegt auf der Hand, dass es äußerst schwierig ist einem „zuvorkommenden“ Partner „Gewohnheitsrechte“ zu beschneiden!

www.gema.de/de/recht-politik/neuigkeiten/neuigkeiten-archiv...

Als Mitglied eines dieser Verbände, Parteien, Wirtschaftsunternehmen etc. erhält der GEMA-Kunde einen Nachlaß von 20% auf die GEMA-Gebühren.
Für Kleinveranstalter ist es jedoch ratsam den daraus entstehenden Nutzen zu überprüfen und Verbandsgebühren mit der Kostenersparnis zu vergleichen. Für Gastronomen und Discobesitzer ist der Beitritt in einen Verband durchaus überlegenswert.

So weit, so gut!

Damit ich mich nicht aufs Glatteis begebe habe ich mich nochmals auf der „wunderbaren“ Internetseite der GEMA schlau gemacht. Bevor die GEMA ihre hochgepriesenen Änderungen und Schönheitskorrekturen vorgenommen hatte war es vergleichsweise ein Kinderspiel, hier Informationen zu erhalten. Heute gleicht ein Besuch auf dieser Seite einer Irrfahrt.

Hat diese Praxis Methode? Will die GEMA ihre angebotenen Kunden-Seminare füllen? Der Forderung nach Transparenz wird auf diese Weise jedenfalls nicht nachgekommen und der Kunde über Gebühr belastet. Die Seminare bekommt man ja schließlich nicht frei Haus.
Soviel nur nebenbei.

Nachdem es mir endlich gelungen ist den „Tarif-Dschungel“ zu durchforsten musste ich feststellen, dass oben erläuterte Änderungen zu keinem Freudentaumel Anlass geben.

Im Internet ist diese Änderung nicht zu finden, hier gilt nach wie vor der alte Tarif. Doch nach langer Suche fand ich eine Randnotiz:

www.gema.de/musiknutzer/lizenzieren/meine-lizenz/gesamtvertragspartner...

dem deutlich zu entnehmen ist, dass die GEMA sich in keinster Weise festgelegt hat!!!

In ihrer Euphorie sollten die Autoren und Musiker nicht übersehen, dass die Forderungen für die in erster Linie Betroffenen „totgeschwiegen“ werden. Wer spricht noch vom Pro-Verfahren, von Direktabrechnung, von vereinsrechtlichen Ungereimtheiten wie dem Stimmrecht und gar der Überprüfung der GEMA durch das Patentamt? Wer spricht noch über die Tantiemenausschüttung für Künstler aus dem Ausland?

Es entsteht somit der Eindruck, dass Kritiker ruhig gestellt werden sollen. Dem Kulturbetrieb ist damit aber dauerhaft nicht geholfen, wenn die Politik keine verbindlichen Gesetzesgrundlagen schafft.
In diesem Zusammenhang ist es sehr interessant die GEMA-Seite „Recht & Politik“ anzuschauen. Wie bereits bei der Petitions-Anhörung in Berlin deutlich wurde, hat sich an der „guten Zusammenarbeit“ zwischen Justiz und GEMA bis heute nichts geändert.


Nach meinen neuesten Informationen befindet sich die GEMA-Petition immer noch in der parlamentarischen Überprüfung. Die einzelnen Parteien befassen sich mit der Problematik, den Änderungswünschen und voraussichtlich soll das ganze Prozedere noch bis nächstes Jahr andauern.

Dies hat eine gute und eine weniger gute Seite:

Wir, die Komponisten und Musiker, Veranstalter und jede Art von Musikkonsumenten können und sollten den Druck auf die Regierenden aufrechterhalten.

Der GEMA bleibt Zeit, auf die Forderungen einzugehen. Wenn dies geschieht und die Politiker sich dann damit zufrieden geben in dem Glauben, dass das Problem sich von selbst erledigt hätte, ist die Sache vom Tisch!
Was das bedeutet muss jedem Bürger klar sein. Einmal vom Tisch, für immer vom Tisch!