| Liebe Musiker, Komponisten
und Veranstalter,
auch im Norden ist das Gema Thema ein „Reizthema“ und ob
man nun mit Künstlern, Veranstaltern, Chören, Schulen oder der
freiwilligen Feuerwehr spricht, jeder hat eine eigene, seltsame GEMA Geschichte
zu berichten. Dabei sind sich alle einig, die GEMA an sich nicht abschaffen
zu wollen. Es geht einzig und alleine darum, eine Durchsichtigkeit der
GEMA zu schaffen, eine Gerechtigkeit, die allen Künstlern zugute
kommt und auch für das richtige finanzielle Verhältnis sorgt,
damit wir uns Kultur wieder leisten können.
Den Brief von Frau Bestle kann ich aus ganzem Herzen unterschreiben, denn
er deckt sich mit der Problematik, wie auch wir sie im Theater im Hinterhof
seit 5 Jahren erfahren haben.
Gemeinsam mit einer Gruppe von Künstlern haben wir in diesem Jahr
begonnen mit kleinen Aktionen an die Öffentlichkeit zu gehen, um
die GEMA Problematik Publik zu machen. Im Rahmen dieser Arbeit habe ich
einen Strafantrag gegen die GEMA gestellt, da sie nachweislich das von
mir für ein Konzert gezahlte Geld nicht an den Komponisten weitergeleitet
hat. Ich möchte Ihnen / Euch dieses als kleinen Fallsbeispiel darstellen
und zu „guter Letzt“ auch die Reaktion der Staatsanwaltschaft.
Dieses macht vielleicht auch noch einmal deutlich, wie dringend Künstler
und Veranstalter gleichermaßen Durchsichtigkeit und auch eine neuen
Struktur von Seiten der GEMA fordern sollten.
Ebenso wie Frau Bestle hoffe ich auf Ihre / Eure Mitarbeit damit sich
die Struktur in der GEMA – zum Wohle der Kultur – ändert!
Buxtehude, den 17.08.2008
Nina Zober
Theater im Hinterhof
Fallbeispiel: Strafantrag gegen die GEMA
Am 21.05.2005 veranstalteten wir in unserem Theater (Theater im Hinterhof,
Hauptstrasse 34, 21614 Buxtehude) ein Konzert anlässlich der Hansetage
zusammen mit einem lettischen Studentenchor. Ordnungsgemäß
meldete ich daraufhin das Konzert bei der GEMA an und teilte ihr mit,
dass dort, neben traditionellen und somit nicht gemapflichtigen Liedern,
auch Stücke des lettischen Komponisten Jazeps Vitols gesungen wurden.
Die gesamten Einnahmen des Konzertes spendete das Theater dem lettischen
Chor und somit blieben dem Theater selber keinerlei Einkünfte an
diesem Abend übrig.
Am 14.06.2005 erhielt ich daraufhin ein Rechung von der GEMA über
101,65 € zu zahlen für die Aufführung der Werke des Komponisten
Jazeps Vitols. Da das Theater selber keine Einkünfte aus der Aufführung
der Werke erhalten hatte, bat ich die GEMA um einen ermäßigten
Gebührensatz, was jedoch seitens der GEMA abgelehnt wurde, da es
nur diesen einen zu zahlenden Gebührensatz geben würde. Wir
überwiesen also die Summe von 101,65 € auf das Konto der GEMA
in der Annahme, dass die GEMA den Gebührenanteil an die lettischen
Verwertungsgesellschaft AKKA-LAA in Riga weiterleitet, die diesen Betrag
dann an den Komponisten, bzw. seine rechtlichen Nachfolger weitergibt.
Im Januar 2007 erfuhr ich von einer anderen Veranstalterin, dass es für
Fälle, wo der Veranstalter keinerlei Einnahmen hat, jedoch Abgaben
an die GEMA zahlen muss, eine sogenannte „Missverhältnisklausel“
gibt , die man bei der GEMA geltend machen kann und somit weniger Gebühren
zu zahlen braucht. Da dieses bei dem oben genannten Fall zutraf, schrieb
ich daraufhin einen Brief an die GEMA und forderte einen Teil der Summe
für das gezahlte Konzert zurück, da dem Theater ein Missverhältnis
entstanden war. Diesen Brief schickte ich am 05.01.07 an die GEMA und
diese überwies mir am 22.02.2007 einen Betrag von 82,49 € auf
unser Konto zurück. Dieser Betrag galt aber einer noch weiteren Aufführung,
die im Missverhältnis stand, wurde also für insgesamt 2 Veranstaltungen
zurückgezahlt.
Im April diesen Jahres (2008)
begann ich mich dafür zu interessieren, ob die damals gezahlten Gebühren
für den lettischen Komponisten Jazeps Vitols tatsächlich ordnungsgemäß
von der GEMA an die lettische AKKA-LAA weitergeleitet wurden.
Ich bat daraufhin meine Mutter, Ilze Menneking, die selber Lettin ist
und somit die lettische Sprache perfekt beherrscht, in Riga bei der AKKA-LAA
anzurufen und den Verbleib des Geldes zu überprüfen.
Meine Mutter, Ilze Menneking, sprach mit der in Riga zuständigen
Sachbearbeiterin Frau Anita Sosnovska, die Nachforschungen anstellte und
uns mitteilte, dass bis zu diesem Zeitpunkt niemals Geld für diesen
Komponisten von der deutschen GEMA bei ihnen eingegangen war.
Da ich ja eine Gebühr an die GEMA im Jahre 2005 dafür bezahlt
hatte, rief ich am 06.05.2008 wiederum bei der GEMA in Hamburg an und
sprach mit der dortigen Sachbearbeiterin Frau XXXX. Frau XXXX bestätigte
mir daraufhin im Telefongespräch, dass die GEMA das Geld tatsächlich
nicht nach Lettland weitergeleitet, sondern in den „GEMA Topf“
gegeben hatte. Als Begründung für diese Handlung gab Frau XXXX
an, dass ich nicht die genauen Liedtitel der von Jazeps Vitols gesungenen
Lieder angegeben hätte. Auf meine Frage, warum man dann denn nicht
bei mir nachgefragt hätte, um welche Lieder es sich gehandelt hat,
konnte mir Frau XXXX auch keine Antwort geben und verwies auf das überaus
komplizierte Ausschüttungsverfahren der GEMA, was lediglich ihre
Kollegen in Berlin verstehen würden. Als ich nachfragte, wer denn,
wenn nicht der lettische Komponist, für den ich die Abgaben zu leisten
hatte, das Geld bekommen hätte, erklärte mir Frau XXXX, dass
diejenigen Komponisten, die in Deutschland am meisten an ihren Stücken
verdienen würden, auch am meisten aus diesem „Topf“ ausgezahlt
bekämen.
Am 08.05.2008 schrieb ich an Frau XXXX einen Brief und teilte ihr die
Titel der
gesungenen Lieder noch einmal mit und bat sie eine umgehende Anweisung
der ausstehenden Gebühren für den lettischen Komponisten an
die AKKA-LAA in die Wege zu leiten.
Ausgang des Verfahrens:
Nachdem die Hamburger Polizei gegen die GEMA ermittelt hatte, bekam ich
vor einigen Tagen einen Brief von der Staatsanwaltschaft Hamburg, die
das Ermittlungsverfahren gegen die GEMA eingestellt hat.
Begründung:
Die GEMA hat vorgetragen, dass sie die Gelder nunmehr nach Lettland überweise.
Da ich (Nina Zober) die Titel des oben genannten lettischen Komponisten
Jazeps Vitols erst im Mai 2008 mitgeteilt habe. Eine Verpflichtung das
Geld sofort zu überweisen, ist nicht ersichtlich.
Eine kleine Anmerkung von mir:
Bei dieser Begründung frage ich mich:
- Wenn die GEMA die Liedtitel so dringend benötigt hat um sie nach
Lettland zu überweisen, worauf begründet sich dann die Summe
in der von der GEMA gestellten Rechnung an uns?
- Warum hat es die GEMA nicht für Nötig befunden bei uns nachzufragen,
um welche Titel es sich handelt, da sie das Geld so leider nicht nach
Lettland überweisen kann – immerhin sind inzwischen 3 Jahre
vergangen!
- Wenn ich in einem Kaufhaus einen Pullover stehle und erwischt werde,
kann ich dann einfach mit der Begründung davon kommen, dass ich ihn
gerade wieder zurücklegen wollte oder in den nächsten 3 Jahren
vorhatte ihn zu bezahlen,…?
Letzter Stand:
Bei meinem letzten Anruf in Lettland (Juni 2009) war das Geld von der
GEMA immer noch nicht an die AKKA LAA überwiesen worden!
|
|