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Die GEMA und ich...
eine Glosse
von Barbara Lexa,
www.lexa-musik.de
11. September 2008
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es begann, als mich 1993 im Februar ein Herr anrief, und fragte, ob ich im Mai als Jodlerin auch in Frankreich auftreten würde. Da ich bis dato bereits in Tokio, am persischen Golf und in Brasilien gejodelt hatte, war ich auch gerne bereit, dies in Frankreich zu tun. Allerdings meinte der nette Herr, ich sollte dann aber schon CDs dabei haben, denn der Verkauf an der Bühne sei immer lukrativ.
Eigene CDs hatte ich aber keine. In meiner Euphorie – ich war damals gerade einmal 26 Jahre jung und sehr unerfahren – fragte ich eine weitaus bekanntere Kollegin, wo sie ihre Tonträger herstellen ließ. Nachdem sie mir die Adresse im nördlichen München genannt hatte, fuhr ich zu dieser Firma und ließ mich beraten. Naiv, wie ich war, nahm ich gerne zur Kenntnis, dass man mir anstatt meiner eingespielten Bühnenkollegen erfahrene Studiomusiker empfahl, einen Arrangeur aus Amerika und einen Tontechniker. Die horrenden Gebühren für die stundenweise Nutzung des hauseigenen Studios nahm ich genauso hin, wie den Rat, dass es besser sei, als Künstler zur GEMA zu gehen, damit man bei allen im Rundfunk gespielten Titeln satte Tantiemen abkassieren könne.
Ich nahm also im April 1993 so ganz auf die Schnelle eine CD mit bairischen Jodlern auf, ein paar davon stammten aus meiner eigenen Feder.
Zwei Wochen später holte ich meine ersten 800 CDs und 500 MCs ab, zahlte dafür eine Summe, die auch ein neuer deutscher Mittelklassewagen gekostet hätte und fuhr glücklich heim.
Dass die Aufnahmen nicht exakt so gemischt worden waren, wie ich es mir gewünscht hatte und dass das künstlich eingespielte Schlagzeug auf 90 Prozent der Titel zu hören war, machte mich zwar traurig, doch überwog die Freude über das erste eigene Produkt.
Satte Tantiemen bekam ich jedoch keine.
Der nette Herr, der mich für Frankreich buchen wollte, rührte sich im Übrigen auch nicht wieder. So verkaufte ich meine CDs bei Seniorennachmittagen in Bierzelten und auf privaten Geburtstagsfeiern.
Jahrelang spielten die spärlichen Ausschüttungen gerade einmal den jährlichen Mitgliedsbeitrag bei der GEMA ein. Immerhin musste ich nicht draufzahlen.
Ich war immer noch überzeugt, dass bei der GEMA schon alles seine Richtigkeit hatte.

Als ich 2001 begann, ein eigenes Programm auf die Beine zu stellen, in welchem ich als Liedermacherin auftrat, saß die GEMA mir plötzlich im Genick.
Nun sollte ich als Komponistin, Autorin und Sängerin für meine eigenen Veranstaltungen auch noch Gebühren zahlen?
Unglaublich! Aber wahr.
Anfangs gab es keine 10 Veranstaltungen im Jahr, meist nahm ich keinen Eintritt und spielte in kleinen Nebenräumen ortsansässiger Gaststätten. Ich nutzte somit immer den billigsten – offiziellen - Tarif der GEMA.
Nach einiger Zeit wurde das Programm lustiger, vielfältiger, die MundARTistik kam hinzu. Die Säle wurden etwas größer, die GEMA schickte ungefragt Rechnungen.
Da ich bisher immer alles brav angemeldet und gezahlt hatte, schickte man mir auch weiterhin kulanterweise keine Mahnungen sondern nur nachträgliche Zahlungsaufforderungen, mit denen ich leben konnte, wenn auch ungern. Viel zu spät bekam ich heraus, dass man CDs mit eigenen Werken zu einem Sondertarif produzieren kann, doch seitdem nutzte ich das aus und bekam ab und zu sogar Tantiemen zurück.
Trotzdem stieg mein Unmut, ständig dafür zahlen zu müssen, dass ich meine eigenen Lieder singe. Als ich vor drei Jahren zusätzlich ein gemeinsames Mundart-Programm mit einem Dialektologen der Uni Regensburg begann, stellte sich heraus, dass die gesamten Veranstaltungen GEMA-pflichtig waren, auch wenn mein musikalischer Anteil weniger als die Hälfte der Zeit betrug. Meine Wut wurde größer.
Dieses Jahr erfuhr ich erst von der Härtefallklausel!
Und dabei hatte ich schon so oft draufgezahlt. Für 10,- EUR Eintritt und einem Saal mit 250 Quadratmetern zahlte ich 270,- EUR an die GEMA, obwohl ich nur 400,- EUR eingenommen hatte. Dabei war ich ja noch dankbar gewesen, dass man mir als Künstler einen Rabatt von 20 Prozent gewährte!!!
Mit der Härtefallklausel hätte man mir nicht mehr als 40,- EUR abnehmen dürfen.
Wie dumm darf man als Künstler eigentlich sein?
Ein Kinderprogramm, zu dem ich 2006 die Lieder schrieb, wird von den Veranstaltern kaum angenommen, weil sie GEMA zahlen müssen und sich dann Kindergartensommerfeste u.a. nicht mehr tragen. Die GEMA wurde somit existenzgefährdend für mich. Eineinhalb Jahre Arbeit steckten in dem Kinderprogramm, das die GEMA im Keim erstickt.
Meine Anfragen bei der GEMA, ob ich denn nicht die Kinderlieder aus dem Vertrag herausnehmen könne, wurden mit lapidaren Kommentaren abgeschmettert.
Einmal bei der GEMA – immer bei der GEMA. Mit jedem Ton, den man komponiert!!!
Dieses Jahr bekam ich endlich einen wichtigen Hinweis: Im Volksmusikarchiv in Bruckmühl kennt man sich mit der GEMA aus, dort gibt es sogar Informationstage darüber.
Ich nahm Teil. Heuer im Juni. Und was erfuhr ich?
Mein Vertrag mit der GEMA, den ich 1993 abschloss, wäre alle drei Jahre kündbar bzw. veränderbar gewesen.
Es ist schon schlimm genug, dass man immer drei Jahre warten muss, aber noch schlimmer ist es, davon nicht in Kenntnis gesetzt zu werden.
Der Vertrag, in welchem man alle Rechte auf die GEMA überträgt, ist nämlich in verschiedene Paragraphen unterteilt.
Der erste, Paragraph 1a , betrifft alle Aufführungsrechte, auch die eigenen.
Man kann immer zum Ende einer dreijährigen Frist diesen Paragraphen streichen lassen.
Dann – und nur dann!!! - darf man als Künstler seine eigenen Lieder kostenfrei vortragen.
Das bedeutet dann zwar auch, dass jeder andere Mensch meine eigenen Lieder singen darf, ohne zu zahlen, doch das ist es mir wert, weil die MundARTistik sowieso nicht leicht zu singen ist.
Die Tantiemen, die einem bei Rundfunk, CD-Produktion, Fernsehen u.a. zustehen, werden über andere Paragraphen gesichert und weiterhin ausgeführt – sofern man überhaupt öffentlich gespielt wird, was als Mundart-Kabarett-Künstler ohnehin fast unmöglich ist.

Jetzt, nachdem ich all diese wunderbaren Informationen erhalten habe, geht es mir schon besser. Ich habe jetzt eine Perspektive: ab 1. Januar 2011 (!!!) darf ich meine eigenen Titel singen, ohne GEMA zahlen zu müssen.
Bis dahin – und das sind ja nur noch 2 Jahre und 4 Monate – muss ich mich irgendwie durchkämpfen, und sehen, dass mein Oa-Frau-Programm und das neue Kabarett-Programm mit meinem Bühnen- und Lebenspartner Rupert Frank irgendwie überleben können.

Viele Grüße aus Wolfratshausen,
Barbara Lexa


GEMA -
eine unendliche Geschichte:

Artikel von Jörn Pfennig

Leidiges Thema GEMA:

(1) bitte klicken Sie hier
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(3)
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Liebe Monika, liebe Nina!

Ich finde es wunderbar, was ihr da unternommen habt! - Ich selber habe mich in den vergangenen drei Jahren ziemlich heftig im GEMA-Sumpf bewegt, habe Artikel geschrieben und mich auf Mitgliederversammlungen begeben, habe mich gar zum Delegierten wählen lassen, um als so genanntes außerordentliches Mitglied den weitverbreiteten Unmut an der Basis in die sogenannte Hauptversammlung der so genannten ordentlichen Mitglieder zu tragen.

Es ist mir zwar einerseits sogar gelungen, einige Unruhe in die oberen GEMA-Etagen zu tragen (z.B. was die Offenlegung der Vorstandsgehälter angeht); ich habe auch viel Zustimmung von Betroffenen erfahren; meine Artikel, obwohl zunächst nur fürs 'Zentralorgan' unserer Münchner Jazzmusiker Initiative "JIMpaper" verfasst, haben Zugang gefunden ins Rock & Pop-"Musiker Magazin" und ins Mitteilungsblatt des oberbayerischen Volksmusikarchivs; es sind also durchaus Stil- und Interessensgruppen übergreifende Sympathien und Kontakte entstanden, aber letztlich blieb es doch sowas wie 'Einzelkämpfertum' nach dem - auch aus anderem Bürgerverhalten bekannten - Motto: gut, dass es mal einer gesagt hat!

Ich habe mich - nicht einfach aus Resignation oder Frust, sondern weil es ja schließlich auch noch anderes zu tun gibt - unterdessen wieder von der vorderen Front zurückgezogen und freue mich deshalb ganz besonders, dass ihr nun Gas gebt - und das eben auch in Richtung Petitionsausschuss!

Für die 'politische Arbeit' könnte mein 8 Punkte-Thesenpapier zur "Drei-Klassen-Gesellschaft der GEMA"(s.Anhang) ganz hilfreich sein, zumal es nicht nur grundsätzliche, sondern auch grundrechtliche Bedenken artikuliert. Es hat damals in besagten oberen Etagen zu bemerkenswerten Reaktionen geführt, was man ja so deuten kann, dass ich damit nicht ganz daneben lag. (Näheres dazu im Artikel "Soviel GEMA war noch nie!").

Erschreckt also bitte nicht vor der Flut der angehängten Artikel. Sie sind durchaus auch als unterhaltsam gedacht und werden euch in Vielem bestätigen, was euch an der GEMA so auf die Nerven geht. Also wenn ihr in den jetzt möglicherweise auf euch zukommenden Turbulenzen mal Zeit findet, schaut ruhig rein!

Selbstverständlich werde ich eure 'Kampfschrift' nach Kräften verbreiten (mich selbst hat sie bereits zweimal erreicht, es funktioniert also!), und zwar vor allem wegen der von euch dankenswerterweise vorbereiteten konkreten Mitwirkungsmöglichkeit per Petitionsformular. Ich habe mir in meiner 'aktiven Zeit' eine Adrema von ebenfalls GEMA-frustrierten Kolleginnen und Kollegen, aber auch Verlegern angelegt, die diese Möglichkeit sicher gerne nutzen werden. Mein Formular geht umgehend per Post nach Sonthofen, bleibt also - nicht böse sein, liebe Nina! - zunächst in Bayern, bevor es dann heftig mit einschlagen darf in Berlin!

Herzliche Grüße!
Jörn

PS.: Ich habe mich heute - erstmals in meinem Leben! - per Website-Emailformular an eine MdB gewendet, eben jene Martina Krogmann, der ich meine Thesen und Hintergrundinformationen zur "Drei-Klassen-Gesellschaft der GEMA" angeboten habe, falls es sie interessiert ...

 

Ein Juhuu, und Danke, Ein Juhuu, und Danke,

endlich wird Mut gefasst, und ein kleiner Aufstand von unten erprobt.
Sicherlich, ist jeder wie ich selber, Veranstalter, im Höchsten Maße daran interessiert, das Liedgut geschützt wird, und und...
Ich würde von meiner Seite aus aber durchaus soweit gehen, der GEMA hierfür die Berechtigung total zu entziehen, und nach einer oder mehreren Alternative zu suchen.
Die Abrechnungs, Handels und Argumentationsgmethoden der GEMA sind auch meineserachtens
nicht nur undurchschaubar, sondern werden gehandhabt, und auf eine Art und Weise begangen, mit der
man jeden zentralrussischen Kassenwart wegen Betrugs !!!!!! im Eilexpress nach Sibirien verfrachten würde.


Klar, und nicht von der Hand zu weisen ist, dass oft dann wir ,die kleinen und mittelgrossen Veranstalter ( und eigentlichen Idealisten und Förderer der Kultur ), sich die schmutzigen Socken anziehen müssen. Auch müssen wir die Gebühren für Gema und KSK irgendwie und - wo mit einkalkulieren und berechnen ( sonst gibt es im Winter keine neuen Reifen für den Porsche !!)
Als kleiner Veranstalter mache ich, und ich kenne einige ahnliche Fälle, ja schon Luftsprünge , wenn da mal ein 100.- erter übrigbleibt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Den geb ich natürlich dann am liebsten der GEMA , schon klar, aber.....
dann Achtung eben mal, nachforschen und recherchieren, wer denn ausser ,Udo Jürgens & Co, da noch so aus dem - hurra bin also doch nicht der einzige, der von der Gema dieses unglaubliche Wort " grosser Topf "schon hören musste - schöpft, und dann grosses ?????
Musiker und andere Künstler die sich , egal ob GEMA -Mitglied oder nicht ,von diesem Verein profitiert haben, kenne ich, als regelmässiger Veranstalter, nicht. Komisch eigentlich.
Ein kleines Fallbeispiel darf es aber auch noch sein, nicht das einzige was ich selber schon erlebt habe, aber immerhin unterstreicht es zumindest, die Erfahrungen , die Frau Bestle und Frau Zober, gemacht haben wenn es darum geht eine Auskunft von der GEMA zu bekommen:

Wir hatten während der Europameisterschaft zwei Konzerte an einem Wochenende geplant, bei dem es ausnahmsweise nicht nur um die GEMA- Gebühren für das Konzert, sondern um die GEMA- Gebühren, die zu entrichten waren, wenn man das Fussballspiel im Vorfeld auf Leinwand überträgt ging.
Ich spreche tatsächlich von der GEMA , nicht FIFA, GEZ, oder irgendein Verein der mit Fussball oder Fernsehen zu tun hat, was mich auch schon ein bischen stutzig werden lies und was der Grund war da mal nachzuhacken.
ALSO : 6 Wochen vorher doch mal anrufen und ein bischen hinterfragen!

ERGEBNIS:
Das diese Übertragung GEMA- meldepflichtig und auch abgabenpflichtig ist, wusste ich in 8 Sekunden.
Wieviel das denn kostet: War leider 6 Wochen vor der EM noch nicht bekannt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Muss man ja als Veranstalter auch nicht wissen, ob das 100.- oder 500.- oder 765.- Euro kostet, schon klar wir haben es ja!!!!
Nach ca. 10-maligem Nachhacken ob es ungefähre Angaben gebe, so z.B von der letzten Weltmeisterschaft, oder oder...., waren dann - und natürlich alles ohne Gewehr - Summen von ca. 170.- Euro pro Übertragung , im Gespräch. Gut, gibt 340.- Euro für Komponisten und Künstler , toll!!!!!!!!!!!!!!
ABER:
Beim Nachfragen wer den so ein Fussballspiel komponiert, oder ob es vielleicht einen Preissnachlass geben könnte, wenn man die Nationalhymnen weglässt, kommt von der anderen Seite nur ein : Weiss ich nicht! ...und wieder die Geschichte vom grossen Topf!!!!

Die GEMA sollte sich übrigens in GVGT ( Geschichten vom grossem Topf ) umtaufen lassen.

Die Aussage, dass die Zahlungen an die Komponisten und Urheber nach irgendeinem System, welches natürlich " streng geheim" ist , und höchstwahrscheinlich auf der Mondrückseite vergraben liegt, habe ich dann aber immerhin auch bekommen: Wenn auch eher mit der Aussage :
Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, aber grosser Topf, schwaffel, schwaffel...............................

FAZIT:
Endlich Hosen runter GEMA, wer streicht sich da die Kohle ein? Wie hoch sind Eure Verwaltungsgebühren? - und dann könntet Ihr Eurem Namen mal alle Ehre machen, nämlich gema !!!, das wahr`s


Frank Schöne
Schöne Events München

 

Johannes Kreidler, ein junger Komponist aus Berlin, will mit einer
Aktion darauf hinweisen, wie ungeheuer angemessen
die jetzigen GEMA-Urheberrechtsregelungen in Bezug auf die heutige künstlerische
Praxis sind.

www.kreidler-net.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

www.heise.de/
"Das Werk ist Netzwerk"

Peter Mühlbauer 22.08.2008
Der Komponist Johannes Kreidler will die Gema mit einer Kunstaktion zwingen, sich dem Problem der Kreativitätsbehinderung zu stellen
Interessante künstlerische Aktionen zum Thema "Geistiges Eigentum" finden diesen Herbst nicht nur auf der Linzer Ars Electronica statt, die sich das Problem zum [extern] Thema genommen hat, sondern auch in Berlin: Am 12. September um 11 Uhr vormittags wird der Komponist Johannes Kreidler dort im Rahmen des Projekts [extern] Product Placements ein 33 Sekunden langes und aus mehr als 70.200 Zitaten zusammengesetztes Stück [extern] bei der GEMA melden. Dazu wird er bei der Generaldirektion für jedes Zitat, das er für seine Komposition verwendet hat, wie von der Verwertungsgesellschaft verlangt einen "Einzelnachweis" einreichen.

Technisch umgesetzt wurde das Stück, das Kreidler auf seiner [extern] Website als Stream zur Verfügung stellt, mit [extern] Pure Data (PD), einer Programmiersprache für Audio, mit deren Hilfe auch die Einzelnachweise automatisch generiert wurden. Angeliefert werden diese mit einem Lastwagen und mehreren Trägern. Dabei hofft Kreidler auch auf die Hilfe des Publikums, das er einlädt, sich auf diese Weise an der Aktion zu beteiligen.

Mit "Product Placements" will Kreidler ein Problem, das nicht nur Komponisten betrifft, auf einer visuellen Ebene verdeutlichen: Wer heute Musik, Literatur oder Film schafft, der muss fast zwangsläufig zitieren. Das Urheberrecht hat sich dieser Entwicklung jedoch nur negativ angepasst, indem etwa die früher bedeutende Schöpfungshöhe als Kriterium weitgehend abgeschafft wurde, so dass heute – wie Kreidler durch den Vortrag einer Juristin in einen [extern] Video zu seiner Aktion erklären lässt – jeder noch so winzige Bestandteil eines Werks potentiell eine Rechtsverletzung ist. Obwohl dieser Anspruch in der Praxis häufig ignoriert wird, schafft er nicht nur Risiken, sondern behindert auch die Schöpfungsmöglichkeiten.

Durch ein Stück mit 70.200 Zitate und einen Lastwagen voller Formulare, so Kreidlers [extern] Idee, wird das vielleicht auch Menschen klar, die darin bisher kein Problem sahen. Um es Urheberrechtsjuristen, die sich nun einfach darauf berufen könnten, dass die für eine Anerkennung der Schöpfungshöhe notwendige Eigentümlichkeit bei sehr kurzen Samples doch nicht gegeben sein könnte, nicht zu leicht zu machen, hat er auch einige längere Zitate eingebaut, die nicht nur eine ästhetische Rolle spielen, sondern auch einer allzu bequemen Ablehnung vorbeugen sollen.

Eine zentrale Forderung Kreidlers lautet, dass Kreativität legal sein muss – eine Voraussetzung, die, so selbstverständlich sie auch klingen mag, derzeit nicht gegeben ist. Der [extern] Tausch, wie er heute im Internet stattfindet, ist Kreidlers Ansicht nach nicht etwas, dass eingedämmt werden könnte oder müsste, sondern im Gegenteil etwas, dass selbst Bestandteil einer "fortschrittlichen Ästhetik" ist und in der Neuen Musik durch Komponisten wie [extern] Michael Iber antizipiert wurde. Möglichkeiten der Honorierung des Musikschreibens sieht er unter anderem durch die Kulturflatrate und eine stärkere Gewichtung der tatsächlich in Musik gesteckten Arbeitszeit bei den Ausschüttungen.

Vor zehn Jahren zeigten die Rechtswissenschaftler Michael Heller und Rebecca Sue Eisenberg in einem Science-Artikel wie "Geistige Eigentumsrechte" sowohl Innovation als auch Produktion potentiell immer stärker bremsen, weil immer mehr Bürokratie und immer höhere Transaktionskosten für die Einholung und Verhandlung von Rechten entstehen.[1] Kritik am immer stärkeren Ausbau dieses Systems kam seitdem überwiegend von Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern – und sie wurde von den Verwertungsgesellschaften weitgehend ignorierten. Mit Johannes Kreidler meldet sich nun zum ersten Mal jemand zu Wort, der nach Gema-Maßstäben ein Bilderbuchkomponist ist: Er studierte nicht nur am Institut für Neue Musik der Musikhochschule Freiburg und am Institut für Computermusik des Koninklijk Conservatorium Den Haag, sondern gewann auch mehrere Kompositionswettbewerbe, darunter den deutschen Hochschulwettbewerb im Fach Komposition. Seit 2006 lehrt er an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock und am Hochbegabtenzentrum der Musikhochschule Detmold.

Zumindest unter den halbwegs jüngeren ausgebildeten Komponisten, also jener Elite, als deren Lobby sich gerne Gema darstellt, stößt Kreidler mit seinem Anliegen auf alles andere als kategorische Ablehnung: [extern] Moritz Eggert, Komponist der Oper "Die Schnecke", lobte im Forum [extern] Szene Neue Musik nicht nur das Stück selbst als "musikalisch interessant", sondern bekundete auch Verständnis für Kreidlers Ziele. "Da", so Eggert, "das Durchschnittsalter bei GEMA-Hauptversammlungen ca. 70 Jahre beträgt, wird es [allerdings] noch ein Weilchen dauern, bis der Großteil der Kollegen diese Probleme auch nur im Ansatz begreift, nur ist es dann natürlich schon zu spät."

Für die Zeit nach der Product-Placement-Aktion plant Kreidler unter anderem mit einer Idee, die möglicherweise noch interessantere Ergebnisse zeitigen könnte: Der Film [extern] Die Firma, in dem ein Paar abgehört wird und deshalb quasi als "Firewall" bei Gesprächen Musik laufen lässt, brachte ihn auf eine Problematik mit Konjunktur und vielen ungeklärten Fragen - wie etwa die, ob Dienste wie BKA und Verfassungsschutz für die bei Abhöraktionen gespielte Musik Abgaben zahlen müssen. Hinzu kam die Erkenntnis, dass eine Überwachung eigentlich eine Situation totalen Interesses für eine Person ist, die sich dadurch theoretisch für die Vermittlung eines ausgesprochen intensiven Kontakts mit Avantgarde-Musik nutzen ließe. Eine Idee, die bereits [local] Joachim Lottmann scherzhaft anriss, als er behauptete, dass die Sicherheitsbehörden Ende der 1970er im Zuge einer blinden Spur in der RAF-Fahndung täglich mehrstündige Telefongespräche zwischen ihm und Diedrich Diederichsen anhören und auswerten hätten müssen.

www.gulli.com/news/

Urheberrecht Musiker will Song mit 70.200 Samples bei der GEMA anmelden

Die GEMA verlangt: Jedes Sample, das ein Komponist in seinen Stücken verwendet, muss einzeln bei der Verwertungsgesellschaft angemeldet werden. Auf Papier. Und schon der Anmeldebogen weist darauf hin: Selbst kleinste Klangfetzen können als fremdes geistiges Eigentum gelten, solange sie die nötige Schöpfungshöhe erreichen.

Johannes Kreidler, Komponist von avantgardistischer "Neuer Musik", hat ein 33 Sekunden langes Stück verfasst. Die Besonderheit: Es umfasst 70.200 Zitate aus anderen Songs. Auf die Frage, wie es zu dieser Zahl kommt, antwortet Kreidler:

"Durch Bescheidenheit. Ich habe stark untertrieben, theoretisch kann man am Computer pro Sekunde schon 44100 Zitate abspielen."

Dabei will der Künstler die GEMA "gar nicht quälen" - Kreidler geht es darum, die heutigen Möglichkeiten zu visualisieren und wahrnehmbar zu machen. Er habe grundsätzlich nichts gegen die GEMA - aber sie müsse sich dem digitalen Zeitalter anpassen. Wichtig ist ihm aber auch die künstlerische Seite seines Projektes: Er will die Probleme einer Gesellschaft, die mit dem strengen Urheberrecht leben muss, "ästhetisieren" - und dagegen protestieren.

"Product Placement" nennt der Künstler seine "musikalisch-theatrale" Kunstaktion: Am 12. September 08 will Johannes Kreidler um 11 Uhr morgens seine 70.200 Formulare bei der GEMA-Generaldirektion einreichen - eine ganze Lastwagenladung voll. Das kann die GEMA nicht alles verarbeiten?

"Muss sie aber (theoretisch), denn so ein Stück ist technologisch machbar, und ich möchte mit der 'Materialisierung' der Urheberrechtsfrage im digitalen Zeitalter eigentlich eine Lösung erzwingen. Die haben dann ja ein handfestes Problem, diese Formularberge die sie abarbeiten müssen",

sagt Kreidler, der als Komponist eines wenig bekannten Genres kaum Geld mit seiner Musik verdient. Um Selbstmarketing gehe es ihm aber nicht. Großes Vertrauen in den Erfolg seiner Aktion hat er trotzdem nicht:

"Die anarchistischen Zeiten sind ja jetzt zu Ende, ich meine die Zeit des freiern Verkehrs im Internet. Die, die jetzt abgemahnt werden sind die Aids-Toten des Informationszeitalters. Ich war bislang im Glauben, dass die Technologie am längeren Hebel sitzt, aber jetzt fürchte ich doch ernstlich, dass die Software-Riesen, denen der Staat zuarbeitet, das Oberwasser gewinnen wird, und das geht jetzt aber nur mit ziemlicher Brutalität seitens des Staats."

Das die GEMA tatsächlich auf Kreidlers Aktion reagieren oder auch nur die Formulare abarbeiten wird, erscheint allerdings unwahrscheinlich. "Irgendeinen Grund werden sie finden", formuliert sein Kollege Moritz Eggert in einer Diskussion - die GEMA sei "weit davon entfernt, Lösungen für diese Probleme zu erarbeiten." Stattdessen wird man dort wohl versuchen, Kreidler's Antragslawine zu entgehen. Was ja allein nicht allzu schlimm wäre - würde endlich eine den technischen Gegebenheiten angemessene Lösung wie die von Kreidler vorgeschlagene Kulturflatrate geschaffen. (Simon Columbus)

(via Nerdcore, thx!)

 

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